Nehmen wir das Beispiel vom damals jungen Amerikaner Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh, Schottland; † 1. August 1922 in Baddeck, Nova Scotia, Kanada). 1862 sah er bei seinem Studium in Glasgow einen Apparat, den der Deutsche Philipp Reis entwickelt und “Telefon” genannt hat. Im Wesentlichen bestand der Apparat aus einem Schallkasten mit Drahtspule und einem dünnen Eisenkern. Dieser übertrug Laute an einen Empfangsapparat,
jedoch konnte von “Verständlichkeit” übertragener Worte jedoch nicht die Rede sein.
Graham wollte, wie viele von uns, den Beruf seines Vaters ergreifen. Dieser war “Stimmphysiologe” – ein anderes Wort für Taubstummenlehrer – und brachte Menschen ohne Gehör das Sprechen bei. Als der junge Bell nun den Telefonapparat von Reis betrachtete, kam ihm die Idee, eine Art “elektrisches Gehör” für Taube zu entwickeln, um ihnen damit die Welt der Hörenden zu eröffnen. Natürlich kommt in dieser, wie in allen guten Geschichten, auch ein hübsches Mädchen von, für das sich Graham ereiferte. Genau diesem, seiner Verlobten Mabel Hubard, versprach er diesen Apparat zu entwickeln. Nun fehlte neben dieser großen Motivation nur noch ein entsprechender Geldgeber, welchen er in Ihrem Vater auch fand.
Er wurde nicht nur ein britischer Sprechtherapeut, sondern war, nun nicht mehr überraschend, auch Erfinder und Großunternehmer. Letzteres wurde er, und das ist der Schritt, der uns alle vielleicht am meisten interessiert, weil er der erste Mensch war, der aus der Erfindung des Telefons Kapital geschlagen hat, indem er Ideen seiner Vorgänger zur Marktreife weiterentwickelte. Wo Beobachtungsgabe, Inspiration und Kreativität aufeinander trifft, ist so etwas auch heute jederzeit möglich und liegt wieder voll im Trend. Im Fall von Graham ist es unnötig zu erwähnen, dass zu seinen Ehren die dimensionslose Maßeinheit (Pseudomaß) für logarithmische Verhältniswerte, mit dem auch Schallpegel gemessen werden, mit Bel benannt wurde. Ehre, wem Ehre gebührt.
Wie sehen also, das große Erfindungen, nicht immer aus dem “Nichts” geboren werden. Vielmehr werden sie inspiriert von den Entwicklungen anderer und dem Gedanken, dort irgendetwas besser machen oder sie für etwas anderes kreativ einsetzen zu können. Dies ist gar nicht so schwer, wie man glaubt, wenn man die richtigen Tools verwendet. Darum wird es in den kommenden Beiträgen gehen.
Bis dahin… (Autor nach Diktat auf Radtour in den Alpen aufgebrochen)